Tiefenbruggerdenkmal in Füssen
Geburtshaus im Weiler Tiefenbruck

Der Erfinder der Geige?

Der erste bekannte Name der in einem Hof im Weiler Tiefenbruck bei Roßhaupten erwähnt wird ist Hans Tiefenbrugger (um 1440 gestorben). Zwischen 1511 und 1522 werden bereits drei Lautenmacher dieser Familie in den Büchern des Klosters St. Mang erwähnt: „Jan von thüffenbrugck“, „Ulrich zu tüffopruck“ und „Michael teuffenbrugger“.

1514 erblickte Caspar Tiefenbrugger das Licht der Welt. Durch Heirat mit einer Bürgerstocher aus Füssen erwarb er sich 1544 das dortige Bürgerrecht, nachdem er bereits seit 1539 hier wohnte. Ein Brunnen am Brotmarkt in Füssen erinnert auch heute noch an seinen dortigen Aufenthalt. Wegen der Vielzahl der Lautenmacher im Füssener Land entschloss er sich um 1550 nach Lyon zu übersiedeln. Rasch gelangte er zu Wohlstand und Ansehen. Auf dem Kupferstich von Pierre Woeriot (1562) ist er mit einer Geige zu sehen. Es ist sicher nicht seine alleinige Erfindung, denn auf der Suche nach besseren Klangkörpern ist die Violine nur ein Endpunkt einer langen Entwicklung. Etwa zur gleichen Zeit wurden nämlich auch in der Werkstatt des Andrea Amati in Cremona Geigen in Auftrag gegeben.

Tiefenbrugger gründete in Lyon eine Lautenmacherschule und kaufte sich 1556 einen Weinberg vor der Stadt. Dort erbaute er sich einen Hof mit einem Garten und einem Wohnhaus. Der französische König Heinrich II. verlieh 1558 dem „teuern und viellieben“ Meister das Bürgerrecht von Lyon. 1564 wurde jedoch Tiefenbruggers Haus enteignet, da es im Bereich eines geplanten Festungsgrabens lag. Eine Entschädigung wurde mangels leerer Staatskassen nicht ausbezahlt. Der Künstler geriet in unverschuldete Not und starb am 16. Dezember 1571 in Lyon.

Er war der Begründer einer weitverzweigten Lautenmacherfamilie, die außer in Lyon bald auch Werkstätten in Venedig, Padua, Genua, Perugia, Paris und Nürnberg hatte. Die Familie Tiefenbrugger aus Roßhaupten zählt damit zu den bedeutendsten Instrumentenbaufamilien der Renaissance.

Text: Werner Böck